Irgendwann erreichte ich einen Punkt, an dem ich das Gefühl hatte, daß nur mehr der Berg, die Natur selber die Grenzen setzte und entwickelte das Bedürfnis, mich mit anderen Snowboardern messen zu wollen, die meine Leidenschaft f¸r diese Art des Freeridens teilen.
Wer einen Extremecontest gewinnt, entscheidet sich ohne das Wissen der meisten Zuschauer zu einem großen Teil bereits am Tag zuvor bei der Auswahl der Route. Es ist wie das Komponieren einer Symphonie für mich, mit dem Fernglas ein Face zu betrachten und einzelne Passagen zu einer harmonischen und spektakulären Line zusammenzufügen. Du mußt den Schnee, die Steilheit und die Höhe von Felsen richtig einschätzen und dir Geländeformen bis ins Detail einprägen. Dies wird erschwert dadurch, daþ du zwar verschiedene Perspektiven wählen kannst, aber von oben, vom Gipfel aus, alle wieder völlig anders ausschaut. Hundertmal wird die gewählte Line dann visualisiert, denn gewinnen kann nur derjenige, der während seines Runs immer genau weiß, wo er sich gerade befindet. Wenn ein Fahrer ohne stehenzubleiben auf einen 15 Meter hohen Felsen zusteuert und hinunterspringt, so mag es den Zuschauern verrückt erscheinen, doch f¸r den Fahrer ist es eine genau geplante und kalkulierte Handlung. Ich beschloß, mich f¸r den Red Bull Verbier Xtreme zu bewerben. Da die Veranstalter das Risiko von Unfällen natürlich von vornherein minimieren, ist die Selektion der Fahrer f¸r solche Wettkämpfe beinhart, und nur mit einer gehörigen Portion Glück schaffte ich es, von der Warteliste ins elitäre Hauptfeld von 16 Fahrern zu rutschen. Da Contests wie Verbier nur bei besten Bedingungen stattfinden können, sind die Fahrer ähnlich wie bei Surfcontests f¸r einen gewissen Zeitraum ñein bis zwei Wochen- auf Stand-by. Als schließlich der Anruf aus der Schweiz kam, setzte ich mich mit leichtem Herzflattern ins Auto, da schon am nächsten Tag der Linecheck angesetzt war..